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Die Geschichte unserer Tanzschule

Seien Sie gespannt auf eine interessante Zeitreise durch weit mehr als 180 Jahre Chemnitzer Tanzgeschichte...

Die Anfänge im 19. Jahrhundert

Johann Ambrosius Weigand (1799-1868)

 

Die Wurzeln der Tanzschule Köhler-Schimmel liegen weit in der Vergangenheit, die mehr als 180 Jahre zurückliegt. Es ist die Zeit des Biedermeier, in der ein junger Mann lebt, dessen Wirken noch viele Generationen nach ihm Beachtung findet.

Der Gründer unserer Tanzschule Johann Ambrosius Weigand kam am 21. August 1799 als Sohn eines Zeug-, Leine- und Wollwebers im böhmischen Grün bei Asch auf die Welt. Die Vorfahren der Weigands stammen aus einer alten Freiberger Bergmannsfamilie. Seine Lehre im Schuhmacherhandwerk absolvierte der junge Ambrosius bei seinem Onkel in Freiberg und kam am Ende seiner Wanderschaft 1820 in Chemnitz an. In der Stadt war er als tüchtiger und geschickter Handwerker bekannt. 1826 erhielt er die Meisterwürde und versorgte das Chemnitzer und auswärtige Publikum mit „allen Sorten von Ballschuhen für Damen und Herren, erstere mit Seide, Zeug und Leder, so wie auch mit wasserdichten Damenschuhen mit Korksohlen und Galoschen mit Federn; alles nach neuster Façon“.

Im gleichen Jahr fand er sein privates Glück und heiratete am 19. Juni 1826 die aus Chemnitz stammende Christiane Amalie Küchler. Zwischen 1826 und 1844 entstammen dieser Verbindung acht Kinder, drei Söhne und fünf Töchter.

Obgleich er erfolgreich in seinem Handwerk arbeitete, lag ihm eine andere Profession näher am Herzen. Er befasste sich in seiner Freizeit immer tiefgreifender mit der Tanzkunst. Er nahm Tanzunterricht beim Tanzlehrer C. W. Wiener, studierte Werke über den Tanz und ergänzte seine bescheidene Schul- und Allgemeinbildung.

Ab 1829 bot er öffentlich seine Dienste als Tanzlehrer an. Seine ersten Tanzschüler waren die Handwerksburschen und die Schüler des Lyzeums, der Chemnitzer Lateinschule.

Chemnitzer Anzeiger vom 16.05.1829
Chemnitzer Anzeiger vom 11.05.1833

Der Tanzunterricht wurde in der Zschockeschen Wirtschaft und im Haus „Bruch“, der alten Behausung der „Bruch- und Scheibenschützen“, auf dem Graben (heute Bahnhofstraße, zwischen Annaberger Straße und Falkeplatz) abgehalten. Mit der Zeit setzte sich Weigand mit seinem Angebot durch und konnte sich gegenüber einigen Spöttern und anderen Tanzlehrern behaupten. Immer mehr Chemnitzer Bürgerfamilien vertrauten ihm ihre Töchter und Söhne zur Tanz- und Anstandsausbildung an.

Die Schüler des Lyzeums regten Weigand um das Jahr 1833 dazu an, die damals verpönte Turnerei mit dem Tanzunterricht zu verbinden. Diese Idee nahm er sogleich auf, lies sich an der Turnlehrerbildungsanstalt in Dresden ausbilden und entwickelte sein junges Unternehmen zu einer Turn- und Tanzlehranstalt. So gilt er in Chemnitz und in der Region als Vorreiter der Turnerbewegung und stand befreundet mit dem bekannten Turnvater Jahn in Kontakt.

Das Sommerturnen fand an verschiedenen Orten in Chemnitz statt, man begann um 1840 in „Schimmels Garten“. Im Rückblick wohl ein Fingerzeig der Geschichte auf den späteren Inhaber der Tanzschule Jürgen Schimmel. Die Anlage wurde später als Gasthof „Goldener Anker“ bekannt. Heute befindet sich dort der Hauptsitz von „eins energie in sachsen“ an der Augustusburger Straße. Nachdem sich die Stadt immer weiter vergrößerte, bezog man Quartier im Garten des Männerhospitals an der Äußeren Johannisstraße. Der Winterunterricht wurde vom Haus „Bruch“ in „Uhles Haus“ am Neumarkt verlegt.

Die Häuser Friedrichstraße 1 und 3

Die immer weiter anwachsende Beliebtheit von Ambrosius Weigand machte es notwendig, dass seine Kinder im Unternehmen mitwirkten. So ließ sich sein ältester Sohn Julius Herrmann Weigand ebenfalls zum Turn- und Tanzlehrer ausbilden und absolvierte zusätzlich einen Lehrgang im Fechten. Ab 1845 vergrößerte sich daher das Unterrichtsangebot um Rapier-, Florett- und Lanzenfechten, auch das Schwimmen kam hinzu.

Der weitere Erfolg seiner Anstalt machte es Weigand möglich, sich räumlich zu erweitern. Er erwarb 1844 das Anwesen Friedrichstraße 1/3 (heute der Bereich Theaterstraße/Stadthalle) und ließ im Hinterhof einen Anbau für Tanzunterricht und einen für den Turnunterricht errichten.

Die Unruhejahre 1848/49 brachten für die Familie Weigand keinen guten Ausgang. Herrmann Weigand zog als Anführer der Chemnitzer Turnerkompanie im Mai 1849 nach Dresden und fand bei den dortigen Barrikadenkämpfen den Tod.

Vater Weigand verlor dadurch nicht nur einen Sohn, sondern auch einen wichtigen Mitarbeiter seiner Turn- und Tanzlehranstalt. Die folgenden Jahre musste er die gesamte Arbeit allein bewältigen, bevor seine anderen Söhne Jean Ambrosius Weigand 1858 und der jüngste Sohn Lothar Engelbert Weigand 1866 als Fecht-, Turn- und Tanzlehrer im Unternehmen tätig wurden.

Nach Aufzeichnung des Tanzschülers Hermann Tasche aus Chemnitz bestand der Tanzunterricht damals unter anderem aus den Tänzen Polonaise, Galapade, Tyrolienne, Polka Mazurka, Schottisch und natürlich Walzer. Dazu kamen Einheiten in Konversation. Am Ende seiner Aufzeichnung vermerkte er:

Der alte Weigand kann mir nunmehr den Buckel hinunter laufen, ich habe trotz aller Aufschreiberei doch nichts gelernt. Das behauptet:  Herm. Tasche am 1. Septb. 1860

Chemnitzer Anzeiger vom 02.10.1839
Chemnitzer Anzeiger vom 31.01.1849
Chemnitzer Anzeiger vom 02.05.1849

  Lesen Sie mehr im original Tanztagebuch des Hermann Tasche. Ein einzigartiges, über 155 Jahre altes, Zeitdokument aus unserem Archiv.

Historische Tänze | Française - Le Pantalon

Denkmal für Johann Ambrosius Weigand

In einem anderen Bereich der Chemnitzer Geschichte ist die Familie Weigand ebenso einflussreich gewesen wie im Tanzen und Turnen. Mitte der 1850er Jahre bildete sich das „Freiwilligen Löschcorps“ aus einer Reihe junger Leute um ein schlagkräftiges Feuerlöschwesen für Chemnitz aufzubauen. Hier wirkten die Weigands, Ambrosius als Oberanführer des Löschcorps und sein Sohn Jean als Anführer des Rettungscorps, maßgebend mit. Bis zu seinem Tod am 16. Mai 1868 war Ambrosius Weigand der Chemnitzer Feuerwehr eng verbunden. Sein Begräbnis erfolgte unter großer Anteilnahme der Chemnitzer Bevölkerung. Ihm zum Andenken wurde durch die Stadt an seiner Begräbnisstätte auf dem Johannisfriedhof (heute Park der Opfer des Faschismus) ein Grabmal errichtet, welches heute noch zu finden ist.

Chemnitzer Tageblatt vom 24.05.1868
Chemnitzer Tageblatt vom 31.10.1880
Chemnitzer Tageblatt vom 01.01.1887
Chemnitzer Tageblatt vom 02.01.1887

Nach dem Tod des Vaters führten die beiden Brüder Jean und Lothar Weigand die Anstalt, auch mit Unterstützung der Schwestern und Ehefrauen, gemeinschaftlich erfolgreich weiter. Zusätzlich zu den Räumen in der Friedrichstraße wurden auch Kurse am Plan, in der Nähe des Neumarktes, angeboten. Die Schülerzahl stieg mit den Jahren zeitweise bis an die 800 Teilnehmer.

Nur zwölf Jahre nach dem Tod des Vaters starb sein zweiter Sohn Jean Weigand nach längerem Leiden am 28. Oktober 1880. Er hinterließ seine Ehefrau Anna, die seine Arbeit in der Friedrichstraße fortsetzte, sowie eine vierjährige Tochter.
In diesen Jahren wirkte in der Weigandschen Anstalt auch die Schwester von Lothar, Johanne Eugenie Weigand. Diese war mit dem bekannten Maler und Fotografen Friedrich Julius Schreiber verheiratet. Aus dieser Ehe ging eine weitere wichtige Chemnitzer Persönlichkeit hervor, der vielfach geschätzte, spätere Direktor der Städtischen Museen, Friedrich Schreiber-Weigand.

Ebenso wie im Tanzen, folgte Lothar Weigand dem Vorbild seines Vaters auch im Bereich des Feuerwehrwesens. Er engagierte sich beim weiteren Aufbau der Feuerwehr in Chemnitz und der Regional- und Landesverbände in Sachsen. Von 1876 bis zu seinem Ruhestand 1912 war er Branddirektor von Chemnitz und hatte somit die Leitung des gesamten Feuerlöschwesens inne. Lothar Weigand verstarb am 01. November 1921 in Chemnitz.


Tanzschule Otto Langelütje

Chemnitzer Tageblatt vom 23.09.1906
Briefkopf Langelütje
Otto und Susanne Langelütje
Otto und Susanne Langelütje

Das neue Jahrhundert brachte auch für die Turn- und Tanzlehranstalt der Weigands Veränderungen mit sich. 1906 übernahm der aus Meißen stammende Heinrich Otto Langelütje das traditionsreiche Unternehmen. Er, am 20. Dezember 1871 in der Elbestadt geboren, hatte seit 1895 eine Tanzschule in Meißen. Als er mit seiner Familie nach Chemnitz übersiedelte, übernahm sein Schwager Oskar Köhler die Tanzschule in seiner Heimatstadt.

Die Tanzlehranstalt der Weigands war die bevorzugteste Tanzschule der Stadt. Diesen Kurs nahm Otto Langelütje auf und führte die Tanzschule erfolgreich weiter. In der Zeit des ersten Weltkrieges ruhte seine Tätigkeit. In diesen Jahren arbeitete er als Turnlehrer am Königlichen Gymnasium und am Realgymnasium.

Mit den Goldenen Zwanziger Jahren ging es auch bei Langelütje wieder aufwärts. In dem Gebäude von Juwelier Roller, in der noblen Chemnitzer Königstraße 7, fand die Tanzschule neue Unterrichtsräume. Unterstütz von seiner Ehefrau Susanne Langelütje, geborene Köhler, und später von der gemeinsamen Tochter Irmgard Langelütje, später verheiratete Schütze, konnte die Tanzschule an die alten Erfolge anknüpfen.

Otto und Susanne Langelütje
Irmgard Langelütje beim Spanischen Tanz

 

Das Kursangebot der damaligen Zeit bestand aus Privat- oder Extrakursen, Familien- oder Kaufmannskursen oder man nahm an den Kursen für Gymnasiasten oder Realgymnasiasten teil. Im Schnitt gehörten einem Kurs 25 weibliche und 25 männliche Teilnehmer an. Otto Langelütje galt als Respektsperson, die viel Wert auf Anstand und gepflegte Sitten legte. Nicht umsonst wurde „Lalü“, wie Eingeweihte die Tanzschule nannten, das erste Haus am Platz. Die Kurse starteten meist im Oktober und endeten im März. Die ersten Unterrichtsstunden wurden, ganz im Geiste der Zeit, getrennt nach Damen und Herren abgehalten. Nach einigem Üben fand dann die erste gemeinsame Tanzstunde statt. Die Damen traten in buntfarbiger Kleiderbracht und die Herren in edlem schwarzen Gehrock mit Lackschuhen auf. Meist endeten diese aufregenden Stunden in geselliger Runde im Café Kunze in der Theaterstraße.


Blick in die Königstraße
Tanzkurs 1928 mit ihrem Tanzlehrer Otto Langelütje
Kostümball im Februar 1938
„Carneval in Italien“ im Februar 1939

Während der Tanzschulzeit gab es drei große Bälle mit Tafel. Als erstes veranstalteten die Herren das sogenannte Kränzchen, dann folgte das Revanche-Kränzchen der Damen und am Ende fand der große Abschlussball statt. Die Sonntage nach den Bällen waren für den Katerbummel reserviert. Bei diesen beliebten Ausflügen ging es in die Umgebung der Stadt.

Neben den Tanzstundenbällen gab es auch Bälle der Saison. Ob nun zur Faschingszeit, im Sommer oder zu Weihnachten – immer gab es Gelegenheiten, das erlernte Schrittwerk in den vornehmen Ballhäusern der Stadt anzuwenden.

Mit Otto Burkhardt hatte Otto Langelütje einen Mitstreiter gefunden, der ihn als Teilhaber in der Tanzschule unterstütze. Doch durch die aufziehenden Kriegsjahre war diese Zusammenarbeit nicht lange mit Erfolg bedacht, Otto Burkhardt ging zur Wehrmacht und kehrte, wie viele der ehemaligen Schüler der Tanzschule Langelütje, nicht wieder in die Heimat zurück.

Bevor die Tanzschule, wie alle anderen in Deutschland, im Zuge des zweiten Weltkrieges geschlossen wurde, kam die Nichte von Otto Langelütje nach Chemnitz und gab hier, unter der Regie ihres Onkels ab 1933 erste Tanzstunden.

Tanzkurs FEKOL 1930 mit Otto und Susanne Langelütje
Tanzkarte mit den Autogrammen der Herren hinter dem jeweiligen Tanz
Tanz unterm Weihnachtsbaum Ende 1939

Mit Johanna Hildegard Köhler, die am 14. Juni 1918 in Meißen geboren wurde, trat Langelütje keine unerfahrene Tänzerin zur Seite. Schon frühzeitig gab sie Unterricht in der Tanzschule ihres Vaters Oskar Köhler, die er einst von seinem Schwager Otto Langelütje übernommen hatte.

In den Kriegsjahren ruhte das Tanzschulgeschäft. Hildegard Köhler, die verschiedene Ausbildungen im Bereich Gesellschaftstanz, Gymnastik und Stepptanz absolvierte, ging von 1943 bis 1945 auf Tournee. Von der Wehrmacht dienstverpflichtet trat sie als Solotänzerin in Lungensanatorien und Hospitälern vor Soldaten auf. Auf Grund einer längeren Krankheit war sie bis 1948 zur Untätigkeit gezwungen.

Die Tanzschule Langelütje war ab 1945 schnell wieder präsent und konnte erste Tanzkurse anbieten. Dazu mussten jedoch neue Unterrichtsräume gefunden werden, da die Säle in der Königstraße und die Wohnungen von Langelütjes in der Weststraße und die von Frau Köhler in der Andréstraße durch Bombenangriffe zerstört wurden. So siedelte man sich außerhalb vom Stadtzentrum an und lud die Tanzschüler zum Beispiel in den Gasthof Reichenbrand ein. Auch gab die Familie Tanzunterricht in der eigenen Wohnung in der Nevoigtstraße oder später dann im Hotel am Friedrichplatz, wo auch das Christliche Hospiz untergebracht war.

In den Nachkriegsjahren hatte die Leitung der Tanzschule die Tochter von Otto Langelütje, Irmgard Schütze, inne. Sie führte die Geschicke des Unternehmens bis 1948.

Tanzschule Hildegard Köhler

Um das Jahr 1948 kam Hildegard Köhler wieder zurück in die Tanzschule. Sie übernahm von ihrer Cousine die Leitung und begründete somit einen weiteren erfolgreichen Abschnitt in der Unternehmensgeschichte als „Tanzschule Hildegard Köhler“.

Da auch Hildegard Köhler keine eigenen Unterrichtsräume besaß, wurden die Tanzstunden in die Wartesäle von Nikolai- und Südbahnhof verlegt. Aus der Not heraus trugen die Damen feine Kleider aus Gardinenstoffen und zur Beheizung der Räume brachte ein jeder ein Stück Kohle mit. Ebenso wurde in den Sälen im Hotel am Schlachthof Unterricht gegeben.

Stadtbekannt wurde die Tanzschule Köhler nicht nur durch ihren Tanzunterricht, sondern auch durch eine Vielzahl von Bällen, die Hildegard Köhler arrangierte. So gab es regelmäßig Frühjahrs- oder Weihnachtsbälle, Veranstaltungen zum Faschingsfest oder fröhliche Tanzabende im Sommer. Beliebt waren besonders die Masken- und Dirndlbälle.

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